Snapchat: Belästigung melden und Beweise sichern
Stand: · Allgemeine Information, keine Rechtsberatung

Belästigung auf Snapchat: So sicherst du Beweise, bevor Snaps und Chats verschwinden, meldest und blockierst richtig und gehst mit Streak-Druck um.
Jemand schickt dir immer wieder anzügliche Snaps, beschimpft dich im Chat oder setzt dich unter Druck, damit eure Streak nicht abreißt. Das Tückische an Snapchat: Snaps und Chats verschwinden oft schon nach dem Ansehen. Wer Belästigung auf Snapchat melden will, muss deshalb schnell sein. Dieser Ratgeber zeigt, wie du Beweise sicherst, meldest und blockierst, wie du mit Streak-Druck umgehst und wann Belästigung strafbar ist.
Warum verschwinden Beweise auf Snapchat so schnell?
- Snaps: Fotos und Videos sind nach dem Ansehen in der Regel weg.
- Chats: In Einzelchats werden Nachrichten standardmäßig nach dem Ansehen gelöscht. Für jede Person lässt sich einstellen, dass sie erst 24 Stunden nach dem Ansehen verschwinden.
- Gespeicherte Nachrichten bleiben im Chat. Die andere Person sieht aber, dass gespeichert wurde.
- Deine Daten: Snapchat bietet an, deine Daten herunterzuladen. Snaps und Chats, die schon gelöscht und nie gespeichert wurden, sind darin oft nicht mehr enthalten.
Die Person, die dich belästigt, rechnet oft genau damit. Deshalb gilt: sofort sichern, nicht erst abwarten.
Wie sicherst du Beweise auf Snapchat?
- Löschzeit verlängern: Stell im Chat mit der Person ein, dass Nachrichten erst später gelöscht werden, etwa 24 Stunden nach dem Ansehen; je nach Version gibt es längere Optionen. Das gibt dir Zeit. Achtung: Die Änderung wird im Chat angezeigt. Ist dir das zu riskant, fotografiere die Textnachrichten mit einem zweiten Gerät ab. Stellst du es später zurück auf „nach dem Ansehen“, verschwinden bereits gesehene Nachrichten sofort.
- Nachrichten im Chat speichern: Drück lange auf eine Textnachricht und speichere sie. Sie bleibt dann im Chat.
- Screenshots machen: vom Chat mit Name, Nachricht und Zeitangabe. Snapchat zeigt der anderen Person an, dass du einen Screenshot gemacht hast. Für deine Beweise darfst du das trotzdem. Wenn dir die Benachrichtigung Angst macht, fotografiere den Bildschirm mit einem zweiten Gerät ab.
- Benutzernamen notieren: Öffne das Profil und schreib den Benutzernamen ab, nicht nur den Anzeigenamen. Anzeigenamen lassen sich leicht ändern.
- Protokoll führen: Datum, Uhrzeit und eine kurze Beschreibung, auch von Snaps, die du nicht sichern konntest. Notiere es direkt danach, solange du es noch genau weißt.
Nacktbilder und sexuelle Snaps: Davon machst du keinen Screenshot, du speicherst sie nicht und leitest sie nicht weiter. Ist die abgebildete Person minderjährig, auch wenn das Bild von Gleichaltrigen kommt, kannst du dich sonst selbst strafbar machen (§§ 184b, 184c StGB). Beschreibe stattdessen, was zu sehen war, und notiere Benutzername, Datum und Uhrzeit. Droht dir jemand damit, Bilder von dir zu verbreiten, lies Sextortion: Hilfe bei Erpressung mit Nacktbildern. Zahl nichts und schick nichts nach.
Allgemeine Tipps zu Screenshots und Protokollen findest du in unserer Anleitung zum Beweise sichern bei Hass im Netz.
Wie meldest du Belästigung auf Snapchat?
- Snap oder Story melden: Halte den Snap oder die Story gedrückt. Unten erscheint eine Option zum Melden, oft mit einem Fahnen-Symbol.
- Person melden: Halte im Chat den Namen der Person gedrückt oder öffne ihr Profil. Im Menü findest du „Melden“. Wähle den passenden Grund, etwa Belästigung, Mobbing oder sexuelle Inhalte.
- Über die Hilfeseite: Snapchat hat im Support-Bereich ein Formular für Sicherheitsprobleme. Das hilft auch, wenn dich die Person schon blockiert hat und du sie in der App nicht mehr findest.
Die Bezeichnungen der Menüpunkte können sich mit Updates ändern. Melden und Blockieren schließen sich nicht aus: Melde zuerst, dann blockiere.
Snapchat ist in der EU als sehr große Online-Plattform nach dem Digital Services Act eingestuft. Der DSA verpflichtet Snapchat, Meldungen zu rechtswidrigen Inhalten sorgfältig zu bearbeiten und dir die Entscheidung mitzuteilen (Art. 16 DSA). Lehnt Snapchat ab, kannst du dich kostenlos intern beschweren (Art. 20 DSA). Wie das geht, erklärt Plattform reagiert nicht auf Meldung? Beschwerde nach DSA.
Wie schützt du dich auf Snapchat?
- Blockieren: Die Person kann dir dann keine Snaps und Chats mehr schicken.
- Wer dich kontaktieren darf: In den Datenschutz-Einstellungen kannst du festlegen, dass dich nur Freunde kontaktieren können.
- Standort: Prüfe, ob du deinen Standort auf der Snap Map teilst. Im Geistmodus (Ghost Mode) sehen andere ihn nicht.
- Freundesvorschläge: Du kannst einstellen, dass du anderen nicht als Vorschlag angezeigt wirst.
- Für Eltern: Snapchat bietet ein Family Center, in dem Eltern sehen, mit wem ihr Kind befreundet ist, ohne Nachrichten zu lesen.
Was tun gegen Druck durch Streaks?
Eine Streak zählt, wie viele Tage hintereinander ihr euch Snaps geschickt habt. Für viele ist das ein Spiel. Manche nutzen sie aber als Druckmittel: „Wenn du nicht antwortest, ist unsere Streak weg“, oder „Schick ein Foto, sonst ist Schluss“.
- Eine Streak ist eine Zahl in einer App. Du schuldest niemandem einen Snap.
- Niemand hat Anspruch auf ein Foto von dir, schon gar nicht auf ein freizügiges.
- Wird aus dem Druck eine Drohung, zum Beispiel Bilder zu verbreiten oder dir etwas anzutun, sichere die Nachrichten und hol dir Hilfe.
- Schreibt dich ein Erwachsener an, macht Komplimente, will Fotos oder alles geheim halten, können das Warnsignale sein. Lies dazu Cybergrooming erkennen: Warnsignale und was du tun kannst.
Wann ist Belästigung auf Snapchat strafbar?
Nicht jede nervige Nachricht ist strafbar. In Frage kommen vor allem:
- Beleidigung (§ 185 StGB).
- Bedrohung (§ 241 StGB): etwa mit Gewalt oder mit einem Angriff auf deine sexuelle Selbstbestimmung.
- Ungefragt zugeschickte Pornografie (§ 184 Abs. 1 Nr. 6 StGB). Pornografie an unter 18-Jährige zu schicken, ist nach § 184 Abs. 1 Nr. 1 StGB strafbar.
- Bloßstellende Bilder (§ 201a StGB): wenn jemand ein Bild von dir weitergibt, das deinem Ansehen erheblich schaden kann.
- Nachstellung (§ 238 StGB): wenn dich jemand beharrlich verfolgt, etwa mit immer neuen Accounts. Nachstellung wird von Amts wegen verfolgt, also auch ohne Strafantrag.
Ob ein konkreter Fall strafbar ist, beurteilt die Polizei oder eine Kanzlei. Anzeige erstatten kannst du bei jeder Polizeidienststelle oder online über die Onlinewache deines Bundeslandes. Gib Benutzernamen, Datum, Uhrzeit und deine Notizen an. Bei Beleidigungen brauchst du in der Regel einen Strafantrag innerhalb von drei Monaten. Bist du unter 18, können deine Eltern oder andere Sorgeberechtigte ihn für dich stellen.
Akute Gefahr? Ruf 110. Wenn du reden willst: Nummer gegen Kummer unter 116 111 (Mo–Sa 14–20 Uhr), online bei juuuport, rund um die Uhr bei der Telefonseelsorge unter 0800 111 0 111. Frauen und Mädchen, die sexuell belästigt werden, erreichen das Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen rund um die Uhr unter 116 016.
Häufige Fragen
Sieht die andere Person, wenn ich einen Screenshot mache?
Ja, Snapchat zeigt es an. Für Beweise darfst du Screenshots von Nachrichten trotzdem machen. Von Nacktbildern nie.
Kann die Polizei gelöschte Snaps wiederherstellen?
Verlass dich nicht darauf. Sichere selbst, was du sichern kannst, und schreib den Rest so genau wie möglich auf.
Bringt eine Meldung etwas, wenn der Snap schon weg ist?
Ja. Du kannst das Konto trotzdem melden und beschreiben, was passiert ist. Je genauer Benutzername und Zeitpunkt, desto besser.
Muss ich eine Streak halten?
Nein. Wenn jemand dich mit einer Streak unter Druck setzt, ist das ein guter Grund, die Streak abreißen zu lassen.
Du kannst deinen Fall auch über unser Formular melden. Mit deinem Ja geht deine Meldung automatisch an eine passende Kooperationskanzlei, sobald eine frei ist. Die rechtliche Einschätzung kommt von der Kanzlei, nicht von uns. Gibt es gerade keine passende Kanzlei, bekommst du sofort eine E-Mail mit anderen Anlaufstellen. Fristen laufen weiter: Einen Strafantrag kannst du jederzeit selbst bei der Polizei stellen.