Hass auf Telegram melden: Kanäle, Gruppen, Polizei
Stand: · Allgemeine Information, keine Rechtsberatung

Hass auf Telegram melden: Wo die Meldefunktion bei öffentlichen Kanälen und Gruppen hilft, wo ihre Grenzen liegen und wann du zur Polizei gehen solltest.
Für viele ist Telegram ein ganz normaler Messenger. In öffentlichen Kanälen und großen Gruppen wird dort aber auch gehetzt, gedroht, und private Daten werden verbreitet. Wer Hass auf Telegram melden will, stößt schnell an Grenzen. Dieser Ratgeber zeigt, was die Meldefunktion leisten kann, wie du Beweise sicherst und warum bei Straftaten die Polizei oft der wichtigere Weg ist.
Was ist auf Telegram öffentlich und was privat?
Das ist die wichtigste Frage, denn davon hängt ab, was eine Meldung bewirken kann:
- Private Chats: zwischen zwei Personen. Normale Chats liegen in Telegrams Cloud. „Geheime Chats“ sind Ende-zu-Ende-verschlüsselt und nur auf den beteiligten Geräten gespeichert.
- Gruppen: privat, also nur per Einladung, oder öffentlich mit eigenem @Namen, den jeder über die Suche findet.
- Kanäle: Eine Person oder ein kleines Team sendet an viele Abonnenten. Auch Kanäle können öffentlich oder privat sein.
Telegram bietet in allen Apps eine Meldefunktion. Nur für Urheberrechtsbeschwerden schreibt Telegram, dass es Anfragen zu privaten Chats und Gruppen nicht bearbeitet. Wie andere Meldungen aus privaten Chats behandelt werden, legt Telegram nicht offen. Die besten Chancen haben Meldungen zu öffentlichen Kanälen, Gruppen und Bots.
Wie sicherst du Beweise auf Telegram?
Sichere sofort. In Einzelchats kann jede Seite Nachrichten jederzeit für beide löschen, auch Nachrichten, die du bekommen hast. Kanäle und Gruppen können über Nacht verschwinden.
- Screenshots mit Kanal- oder Gruppenname, Absender, Nachricht, Datum und Uhrzeit.
- Link zur Nachricht: In öffentlichen Kanälen und Gruppen kannst du über das Menü einer Nachricht einen Link kopieren. Er beginnt mit t.me/ und führt direkt zum Beitrag.
- Benutzername: den @Namen der Person, des Kanals oder der Gruppe. Anzeigenamen lassen sich jederzeit ändern.
- Kanalinfo: Name, @Adresse, Beschreibung und Zahl der Abonnenten. Die Reichweite kann später wichtig sein, etwa bei Volksverhetzung.
- Chat-Export: Am Computer kann die Desktop-App von Telegram Chatverläufe exportieren. Wähl dabei ab, dass Fotos und Videos mitgespeichert werden.
Nacktbilder oder sexuelle Inhalte, vor allem von Minderjährigen, sicherst du nie als Screenshot oder Datei. Damit kannst du dich selbst strafbar machen (§§ 184b, 184c StGB). Notiere stattdessen den Link, den Kanal, Datum und Uhrzeit und beschreibe, was zu sehen war. Mehr Tipps stehen in unserer Anleitung zum Beweise sichern.
Wie meldest du Hass auf Telegram?
- In der App: Halte eine Nachricht gedrückt oder klick sie mit der rechten Maustaste an und such nach „Melden“. Einen Kanal oder eine Gruppe meldest du über das Profil und das Menü mit den drei Punkten. Wähle den passenden Grund.
- Per E-Mail: Telegram nennt in seinen FAQ die Adresse abuse@telegram.org für Meldungen. Füge die t.me-Links zu den Inhalten bei.
- EU-Formular nach dem DSA: Für Nutzer in der EU hat Telegram eine eigene Seite mit Hinweisen zum Digital Services Act und ein Formular für rechtswidrige Inhalte. Dort musst du Namen, Kontaktdaten und eine Begründung angeben, warum der Inhalt rechtswidrig ist. Als Kontaktstelle nennt Telegram den Bot @EURegulation.
Menüpunkte und Formulare können sich ändern. Schreib dir Datum und Uhrzeit deiner Meldung auf.
Wo liegen die Grenzen beim Melden?
- Private Chats und Gruppen: Nur für Urheberrechtsbeschwerden schreibt Telegram, dass es Anfragen zu privaten Chats und Gruppen nicht bearbeitet. Wie andere Meldungen aus privaten Chats behandelt werden, legt Telegram nicht offen.
- Neue Kanäle: Wird ein Kanal gesperrt, entsteht oft schnell ein neuer unter ähnlichem Namen.
- Keine Rückmeldung garantiert: Viele bekommen auf Meldungen keine Antwort.
- Aufsicht in Belgien: Telegram ist nach eigenen Angaben keine sehr große Online-Plattform, weil es in der EU weniger als 45 Millionen Nutzer habe. Für die Aufsicht nach dem DSA ist die belgische Behörde zuständig, weil Telegram dort seinen Rechtsvertreter hat.
Für öffentliche Inhalte gelten trotzdem die Grundregeln des DSA: Plattformen müssen Meldungen zu rechtswidrigen Inhalten sorgfältig bearbeiten und dir ihre Entscheidung mitteilen (Art. 16 DSA). Gegen eine Ablehnung muss es eine interne Beschwerde geben (Art. 20 DSA). Wie Telegram diese Beschwerde für Meldende umsetzt, beschreibt es auf seiner DSA-Seite nicht klar. Reagiert Telegram nicht, kannst du dich bei der Bundesnetzagentur beschweren. Sie leitet die Beschwerde an die zuständige Behörde weiter. Wie das geht, steht in Plattform reagiert nicht auf Meldung? Beschwerde nach DSA.
Wann solltest du bei Hass auf Telegram zur Polizei gehen?
Weil die Meldung bei Telegram oft wenig bringt, ist die Anzeige bei Straftaten der wichtigere Weg. Was in Deutschland strafbar ist, ist es auch auf Telegram. In Frage kommen zum Beispiel:
- Volksverhetzung (§ 130 StGB): Hetze gegen Gruppen wegen Herkunft, Religion oder anderer Merkmale. Mehr dazu in Volksverhetzung online: Was strafbar ist.
- Bedrohung (§ 241 StGB).
- Gefährdendes Verbreiten personenbezogener Daten (§ 126a StGB): wenn deine Adresse oder Telefonnummer in einer Art verbreitet wird, die dich in Gefahr bringen soll.
- Öffentliche Aufforderung zu Straftaten (§ 111 StGB).
- Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen (§ 86a StGB).
- Beleidigung (§ 185 StGB): Hier brauchst du in der Regel einen Strafantrag innerhalb von drei Monaten.
- Nachstellung (§ 238 StGB): wird von Amts wegen verfolgt, also auch ohne Strafantrag.
Anzeige erstatten kannst du bei jeder Polizeidienststelle oder online über die Onlinewache deines Bundeslandes. Gib die t.me-Links, @Namen, Datum, Uhrzeit und Screenshots an.
Kann die Polizei herausfinden, wer dahintersteckt? Telegram schreibt in seiner Datenschutzerklärung, dass es bei einer gültigen Anordnung der zuständigen Justizbehörden nach eigener Prüfung IP-Adresse und Telefonnummer herausgeben kann. Ob und wann das in einem konkreten Fall passiert, kann niemand vorhersagen. Oft helfen auch andere Spuren, etwa wenn dieselbe Person auf anderen Plattformen aktiv ist. Mehr dazu in Wer steckt hinter dem Account?.
Du kannst Hass auch über Meldestellen weitergeben, etwa an HateAid oder die Meldestelle REspect!. Beide sind von der Bundesnetzagentur als vertrauenswürdige Hinweisgeber (Trusted Flagger) zugelassen (Stand Oktober 2026).
Akute Gefahr? Wenn deine Adresse verbreitet wird und dir jemand droht vorbeizukommen, ruf 110.
Wie schützt du dich auf Telegram?
- Telefonnummer verbergen: In den Datenschutz-Einstellungen kannst du festlegen, wer deine Nummer sieht und wer dich über sie finden kann.
- Gruppen und Anrufe: Leg fest, wer dich zu Gruppen hinzufügen und wer dich anrufen darf.
- Gruppen verlassen, in denen gehetzt wird, sobald du gesichert hast, was dich betrifft.
- Nicht diskutieren: Antworten in Hetzkanälen bringen dir selten etwas und machen dich sichtbarer.
Hass belastet, auch wenn man ihn nur liest. Rund um die Uhr erreichst du die Telefonseelsorge unter 0800 111 0 111. Für junge Menschen gibt es die Nummer gegen Kummer unter 116 111 (Mo–Sa 14–20 Uhr).
Häufige Fragen
Ist Telegram ein rechtsfreier Raum?
Nein. Deutsches Strafrecht gilt auch für Inhalte auf Telegram. Schwierig ist oft nur, die Person dahinter zu ermitteln.
Bringt eine Anzeige etwas, wenn ich nur den @Namen kenne?
Ja, sie kann sinnvoll sein. Je mehr eindeutige Angaben du hast, etwa t.me-Links, @Namen und Zeitpunkte, desto besser. Eine Garantie, dass die Person ermittelt wird, gibt es nicht.
Kann ich private Gruppen melden?
Ja, über die Meldefunktion. Wie Telegram solche Meldungen behandelt, legt es aber nicht offen. Bei Straftaten ist die Polizei hier der bessere Weg.
Muss ich Hetzkanäle beobachten, um Beweise zu sammeln?
Nein. Sichere, was dich betrifft. Das ständige Beobachten von Hetzkanälen kannst du Meldestellen und Behörden überlassen.
Du kannst deinen Fall auch über unser Formular melden. Mit deinem Ja geht deine Meldung automatisch an eine passende Kooperationskanzlei, sobald eine frei ist. Die rechtliche Einschätzung kommt von der Kanzlei, nicht von uns. Gibt es gerade keine passende Kanzlei, bekommst du sofort eine E-Mail mit anderen Anlaufstellen. Fristen laufen weiter: Einen Strafantrag kannst du jederzeit selbst bei der Polizei stellen.